Oktober 22, 2021

Georg, der sich in die Enge gedrängt fühlte …

Eines Tages rief mich Georg B. an. Er leitet den Bereich Managementsysteme eines Unternehmens. Daher kannten wir uns auch. Ich war eine Zeitlang in seinem Unternehmen beratend bei Führungskräften unterwegs – zu den Themen Softskills und Kommunikation mit Mitarbeitern. Wir hatten uns dabei gut verstanden.

„Sie machen doch in Ihrem Coaching das mit Stress wegbekommen, richtig? Als Sie hier waren, da haben wir uns darüber unterhalten, wissen Sie noch? Sie haben doch Ihre besondere Methode genannt. Wie hießt die noch mal, Introvision oder so? Wirkt das auch bei Platzangst?“

„Ja schon…..“, meinte ich fragend, „…..worum geht´s bei Ihnen?“

„Ich habe Angst vor engen Räumen, vor Enge generell. Das habe ich schon länger, jetzt nervt es immer mehr. Wird seit einiger Zeit immer schlimmer, besonders, weil der Stress im Unternehmen ziemlich zunimmt. Von der Firma aus müsste ich auch mal fliegen oder Bahn fahren – geht gar nicht, kriege ich nicht hin“.

„Okay, aber wenn sie bahnfahren müssen und nicht können, was machen Sie dann, wie machen Sie dann den Job?“, wollte ich wissen.

„Wissen Sie, ich schummle, soweit ich kann. Ich drücke mich Drumherum, um ehrlich zu sein. Ich frage meistens einen Mitarbeiter, der diesen Job sehr gerne macht, und schicke ihn – aber jetzt schaffe ich es nicht mehr.

Wenn das rauskommt und das kann sein, dass es bald rauskommt, dann kriege ich verdammt viel Ärger. Davor habe ich Angst. Aber das bleibt bitte unter uns, mein Chef weiß das alles nicht.

Ich muss aber Bahn fahren oder fliegen können. Ich muss auch mal zum Kunden raus oder zu anderen Kontakten, die fürs Unternehmen wichtig sind. Das ist mein Job.“

„Und was haben Sie bisher gegen Ihre Ängste gemacht?“

„Aushalten, akzeptieren, verdrängen. Ich war mal bei einem Psychologen, schon etwas länger her, weil es auch blöd ist für meine Familie, richtig belastend. Auch war ich zur Beratung bei der Berufsgenossenschaft. Das war auch ein Psychologe – jede Menge Gespräche und Tipps, aber ich weiß nicht, die Angst ist immer noch da.

Wie gesagt, es wird schlimmer, ich habe auch natürlich Zukunftsängste. Im Job fühle ich mich in die Enge getrieben. Ich befürchte, abgelehnt zu werden. Ich will natürlich auch gemocht werden, wissen Sie.“

„Okay“, sagte ich, „hinter dem Thema Platzangst verbirgt sich meist mehr, da geht vieles ineinander über. Im Coaching werden wir dem Problem auf den Grund gehen. Wissen Sie, ich habe mit meiner Methode schon vielen Menschen geholfen. Ich bin mir sicher, ich kann Ihnen auch sehr helfen.“ Georg erfreut: „Und Sie meinen, das geht wirklich? – wär ja echt klasse!“

Georg wirkte einerseits sehr erfreut, andererseits auch gespannt darauf; ob sein Problem wirklich weggeht.

Gesagt getan – wir vereinbarten einen Online-Termin.

In der Sitzung ließ ich Georg erzählen. Ich wollte herausfinden, was genau ist diese Angst vor Enge? Was verbirgt sich dahinter, welche Auswirkung hat diese Angst auf ihn, sein Leben, seinen Job und sein Umfeld?

„Irgendwie drückt vieles im Moment“, begann Georg zu erzählen. „Durch die Angst vor enge Situationen habe ich nicht nur Probleme im Job – also Zukunftsängste, Sorgen, Sorgen abgelehnt zu werden und so was – nein, mehr noch, auch meine Familie ist betroffen.

“Inwiefern? Wie zeigt sich das zum Beispiel? Geben Sie mir mal eine Idee davon.“

„Ich habe das Gefühl, nicht für meine Familie sorgen zu können. Ich gehe mit den Kindern nicht ins Kino und auch nicht auf eine Kirmes.“

„Sie meinen finanziell, sind das Ihre Zukunftssorgen?“

„Nein, die habe ich zwar auch – also, dass ich meinen Job los bin. Aber das mit dem nicht ins Kino oder auf eine Kirmes gehen, ist was Anderes. Meine Kinder würden sich freuen, wenn ich das mal mit Ihnen machen würde. Meine Frau meint, sie würden gerne mit mir mal Geisterbahn fahren oder in einen Film gehen – na ja, tue ich nicht, habe viel zu viel Schiss davor. Geisterbahn ist mir zu eng, Kinofilm ist mir zu eng, fühle mich eingesperrt. Beim Gedanken daran habe ich schon schwitzige Hände und spüre meinen Herzschlag. Diese Angst verfolgt mich permanent – im Job und auch zu Hause.“

„Gibt es sonst noch etwas an Auswirkungen, die damit zusammenhängen?“

„Wenn ich jetzt so darüber nachdenke: Ja!“ „Und was?“, wollte ich neugierig wissen. „Habe Angst vor Krankheiten. Asthma habe ich. Und nehme ab und zu Beruhigungsmittel – Ansonsten? Weiß nicht so richtig“, antwortete er.

Ich fühlte, was Georg durchmachte. Es waren die Auswirkungen der Angst. Aber ich hatte noch nicht die wahre Ursache dafür gefunden. Denn Angst ist immer im Unbewussten beheimatet. Und dort ist auch zugleich das Land der Freiheit.

Da wollte ich mit Georg hin – in das Land des Unbewussten, in das Land der Freiheit.

Also fing ich an, mit ihm einige Übungen zu machen. Es waren meditative Übungen. Es war die Vorbereitung für das, was noch kommen sollte. Ich ließ ihn fühlen, weit und offen alles wahrzunehmen, im Hier und Jetzt zu sein. Gedanken, Gefühle, Bilder, körperliche Reaktionen – alles nur wahrnehmen, ohne etwas damit zu tun, ohne darin einzugreifen oder es verändern zu wollen.

Mein Ziel war es, ihn dahin zu führen, selber Zugänge zu den Ursachen seiner Angst zu finden.

Als er so weit war, ließ ich ihn mit geschlossenen Augen behutsam hineinsinken in die Vorstellung der für ihn schlimmen, schwierigen Situationen im privaten und beruflichen Umfeld, wo er sich unwohl und eingeengt fühlte.

„Stellen Sie sich die für Sie schlimme Situation vor. Was ist das Schwierige daran? Was muss unbedingt geschehen? Was darf nicht geschehen …?“, führte ich ihn hinein.

Obwohl er regungslos sitzen blieb, konnte ich von außen spüren, wie es in ihm arbeitete.

Nach einigen wenigen Minuten öffnete er wieder die Augen.

„Was war los? Mögen Sie erzählen?“, fragte ich neugierig.

„Puhh“, meinte er „ich habe Angst die Kontrolle zu verlieren, eingeschlossen zu sein. Meinen Puls habe ich unangenehm gespürt bei dem Gedanken, die Kontrolle zu verlieren. Es war so ein Pochen in den Adern.“

„Was war das Schlimmste?“, fragte ich.

„Das Schlimmste …..“, machte er eine in sich versunkene Pause, „war, das, wenn ich die Kontrolle verliere, verliere ich auch mein Leben und meine Familie. Ich bin nicht mehr in der Lage mich um meine Familie zu kümmern – und andere müssen das machen. Ich bin nicht mehr in der Lage, mit meinen Kindern zu spielen und sie spielen alleine, ohne Papa. Da fühle ich mich hilflos.“

Er sagte genau das Wort und beschrieb genau das Gefühl, was ich vermutete: hilflos.

Als Kind muss Georg etwas in seinem Leben erlebt haben, das ihn hilflos dastehen ließ. Es muss ein Ereignis gewesen sein, das ihm das Gefühl gab, versagt zu haben. Das Ereignis ist schon lange vorbei, aber das Gefühl begleitet ihn ein Leben lang.

Dieses Gefühl will den zukünftigen großen Georg immer beschützen – vor Situationen, die ähnlich sein könnten. Jedes Mal, wenn irgendein Ereignis sich ankündigt, was nur annähernd zu tun hat mit diesen Gefühlen, schlägt der Körper vom großen Georg Alarm, weil er sich unbewusst an dieses Ereignis erinnert. Er will dieses und Ähnliches nie wieder erleben.

An dieser Stelle brauche ich als Coach die konkreten Ereignisse gar nicht im Detail zu kennen. Manchmal erfahre ich sie, manchmal nicht. Um zu helfen, muss ich sie aber nicht kennen.

Unser Gehirn will uns vor blöden Gefühlen und Ereignissen schützen. Im Unterbewusstsein haben wir dafür einen Seismografen, der uns vor jedem Erdbeben, lange bevor es geschieht, warnen will. Der schlägt dann Alarm, wenn es irgendwelche kleinen Anzeichen gibt, die uns an eine frühere Katastrophe erinnern.

Leider täuscht sich dieser Seismograf im Gehirn auch sehr oft.

Es ist wie nach einer Flutkatastrophe, wenn man Opfer dieser Flutkatastrophe geworden ist. Die Menschen in dieser Gegend bauen ihre Häuser wieder auf, sobald es aber anfängt zu regnen, laufen sie aus unerklärlichen Gründen weg – obwohl es ein normaler Regen ist, der nicht zu einer Flutkatastrophe führen wird.

Genauso fühlt auch Georg.

Es muss ein Ereignis gewesen sein, in der Kindheit des kleinen Georgs, das ihn hilflos und mit dem Gefühl des Versagens hinterlassen hat. Und dieses Gefühl dauert heute noch an. Das Ereignis ist schon lange vorbei, aber das Gefühl ist im großen Georg für immer gespeichert.

Meine Aufgabe war es, diese unsichtbaren Gummibänder, die zwischen Georg und dem Ereignis seines früheren kleinen Ich standen, aufzulösen.

Sodass der kleine Georg und der große Georg für immer liebevoll zusammenkommen, sodass aus ihnen ein Team wird, ein starkes Team, das zusammenarbeitet und nicht gegeneinander.

Ich ließ ihn wieder mit geschlossenen Augen seine körperlichen, gedanklichen und gefühlsmäßigen Reaktionen spüren.

In dieses weitgestellte und offene Feld des wahrnehmen hinein gab ich ihm einen Satz mit: „Es kann sein, dass ich völlig hilflos bin.“

Ich ließ ihn damit hineinsinken in die Gefühls- und Gedankenwelt der völligen Hilflosigkeit. Natürlich sprang sein Seismograf sofort daraufhin an.

Ich empfahl ihm, seine körperlichen, gedanklichen und gefühlsmäßigen Reaktionen noch einmal wahrzunehmen, ohne sie verändern zu wollen.

Nach ein paar Minuten sprachen wir über seine Erlebnisse. Am Anfang wollte sein Geist diesem schlimmen Gefühl, jemandem, oder etwas, hilflos ausgeliefert zu sein, entgegensteuern.

Ich forderte ihn auf, immer wieder bei sich zu bleiben, im Hier und Jetzt, und in diesem weiten Raum der Wahrnehmung seiner körperlichen, gedanklichen und gefühlsmäßigen Reaktionen sich selbst zu spüren – und zusätzlich den Satz auf sich einwirken zu lassen, der da hieß: „Es kann sein, dass ich völlig hilflos bin.“

Und dass machte ich mit ihm immer und immer wieder.

Nach und nach sprach er von Bildern, die in seinem Innern auftauchten, von Erlebnissen mit einem Onkel und einer Tante, einmal von einer Leere, die sich in seiner Brust schwer machte, von seinem Herzschlag, der auf- und abging und von einem weggleiten des Gefühls der Enge.

Egal was für Erlebnisse auftauchten oder körperliche Reaktionen sich einstellten, ich forderte ihn auf, bei sich zu bleiben, alles zu spüren und den Satz „Es kann sein, dass ich völlig hilflos bin“ solange weiter auf sich wirken zu lassen, bis dieser Satz begann, langsam seine Macht über ihn zu verlieren.

Es veränderte sich schon in der Coachingsitzung. Er begann, neue Freiheiten zu spüren. Seine Anspannung reduzierte sich und am Ende fühlte er ein innerliches Wohlsein und weniger negatives „pochern“ in seinem Herzen.

Ich wusste: Der Seismograf wird jetzt neu justiert – nun kann es regnen, die Angst vor Überschwemmungen ist weg.

Georg bekam von mir noch zwei Hausaufgaben mit auf den Weg.

Die erste war, er sollte sich täglich die in der Sitzung gemachte Aufnahme anhören. Mein Ziel war, den kleinen und den großen Georg vollständig zusammenzuführen.

Als Zweites sollte er für sich aufschreiben, was sich änderte und im Alltag neu war – sowohl im Job als auch im Privaten. Wir Menschen bekommen besonders positive Veränderungen weniger gut mit. Das sollte er mitbekommen und für sich bewusst machen.

Eine gute Woche später meldete er sich wie vereinbart zurück: „Den ganzen Tag nach unserem Treffen war ich ruhiger als sonst.“

Das zeigt auch meine Erfahrung, die ich mit vielen anderen Klienten habe. Ich bin immer wieder erstaunt, was diese Methode für eine Wirkung erzielt – innerhalb kürzester Zeit.

„Aah, also schon direkt nach der Sitzung ging es Ihnen besser?“, fragte ich nach. „Und, haben Sie die Übungen auch gemacht?“

„Ja, habe ich regelmäßig gemacht.“

Er erzählte mir, wie happy er war. Denn im Unternehmen wurde er von Kollegen angesprochen, dass er auffällig anders sei. Er wäre weniger hektisch, ruhiger, mit einem schönen Redefluss. Das gefiel ihm!

„Lange habe ich eine negative Schwere in meinem Leben gespürt“, sagte er. „Es ist immer noch irgendwie schwer, aber es ist angenehmer, es ist irgendetwas runder geworden. Die ganzen negativen Gedanken und Grübeleien haben sich verdünnisiert.“

Und dann erzählte er eine Geschichte mit seiner Tochter und seiner Frau: „Wir waren ins „Universum“ Bremen gefahren. Dort waren wir in einem Raum ohne Fenster. Ich hatte erst bedenken, wollte aber auch was probieren, ob was neu und anders ist – aber alles war gut! Echt klasse die Erfahrung.“

„Ich spüre jetzt die Freiheit, selbst zu entscheiden, was ich will und ob ich das will. Das ist so toll!“.

Dann war er mit seiner Tochter in einem total dunklen Raum – und hatte sogar die Augen absichtlich zugemacht. Nix geschah! Keine Ängste, keine Panik! Sie konnten es gemeinsam genießen.

„Das war auch toll“, sagte er.

Jetzt testet er verschiedene Dinge aus wie Bahnfahren, Gondelfahren …“ Ich genieße es“, sagte er. „Auf einem Rummel wollte meine Tochter mit mir in die Geisterbahn. Ich sei doch jetzt gesund, fragte sie, oder?“.

„Und, das hat so was von Spaß gemacht in der Geisterbahn. Wir waren direkt zweimal drin.“

„Das, was neu für mich ist, ist das Gefühl, in vielen Situationen besser klarzukommen – sei es im Job oder zu Hause.“

Es blieb nicht bei der einen Sitzung. Georg wollte weitermachen. Er war begeistert und nimmt jetzt an meinem Programm für Führungskräfte teil. Es heißt „Gelassen im Job – mit der Gelassenheitsformel“.

Ich bringe ihm dort bei, diese Methode zur Freiheit für sich selbst anzuwenden. Und das auf Dauer, ohne ständig einen Coach zu benötigen.

Er braucht kein Stressmanagement mehr – er schaltet den Stress einfach ab, für immer!

Wollen Sie das auch?

Nehmen Sie einfach hier über die Webseite Kontakt mit mir auf. In einem Erstgespräch klären wir, wie ich Ihnen helfen kann, den Stress in Ihrem Leben für immer abzuschalten.

Schreiben Sie mir jetzt über die Kontaktseite, was Sie belastet – und ich melde mich bei Ihnen zurück.

Ich freue mich auf Ihre Nachricht.

Ihr
Dr. Klaus Köpnick

Dr. Klaus Köpnick

Der Gelassenheitscoach

Der Autor:

Moin, ich bin Arbeits- und Organisationspsychologe sowie Ingenieur. Ich lasse Sie und Ihre Teams erleben, sich von innerem Stress zu befreien – egal, was Sie schon alles selber probiert haben. Ich zeige auf schnellem Wege, wie Sie ruhig und gelassen bleiben – und das dauerhaft, wenn sich um Sie herum noch so schwierige Situationen auftun. Ich bin Gründungs- und Vorstandsmitglied des internationalen Verbandes Introvision Association. Mit meiner Frau lebe ich an der Nordsee – und sind gerade Großeltern geworden von der kleinen Jelva. Ich lese gerne, liebe die Natur, fahre gerne mit meinem VanMoof-Bike am Meer und kann dem Süßkram selten widerstehen, besonders Schokolade (nur gut und lecker muss es sein – besser is das!).

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